Juli 2006
Ernte im Karst
Die Landschaft um Triest verwöhnt im Spätsommer Genießer.



Roland Fibich

Erntezeit im Karst hoch über Triest: Winzer-Rebell Valter Vodopivec lockt Vögel an, damit sie die Schädlinge von seinen Rebstöcken fressen. Der Verlust an Trauben ist einkalkuliert, das Ergebnis ist ein überwältigender VitovskaGenießer-Stützpunkt vor den Toren Triests: Das Hotel Riviera bietet Blick auf Schloss MiramareDie Beach-Lounge, der private Bade-Bereich nur für die Gäste des Riviera – Badebetrieb bis Ende September

Bilder: Jürgen König, RZPR

Die Kiwis, mit denen er 20 Jahre lang halb Friaul versorgte, hat er rausgeschmissen, der Dottore Sancin. Stattdessen pflanzte der studierte Agrar-Wissenschafter auf seinem Hügel mit Blick auf Triest, der „Celo“ genannt wird (das slowenische Wort für „Stirn“) , Olivenbäumchen der fast schon vergessenen Sorte Bianchera. Das Öl, das er aus den Früchten, die er im Herbst händisch erntet, binnen Stunden schonend presst, wird in den besten Restaurants verwendet. Neuerdings presst der Winzer einen Teil seiner Oliven zusammen mit biologischen Zitronen zu „Lemon Celo“. Dieses fruchtige Öl, bei dem sich der Zitronen-Anteil nicht absetzt, harmoniert wunderbar zu Fisch – so wie seine beiden trockenen Weißweine Glera und Malvasia.

Gerade im Spätsommer lohnt sich eine Reise in die ehemalige k&k-Hafenstadt Triest ganz besonders – denn da ist Erntezeit im Karst. Die perfekt deutsch sprechende Familie Benvenuti, Besitzer des Vierstern-Hotels Riviera (traumhafter Blick aufs Habsburger-Schloss Miramare), unterstützt ihre Gäste gerne bei individuellen kulinarischen Entdeckungsreisen. Was allein schon aus dem Grund ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist, weil nicht alle Winzer, Ölbauern, Käseproduzenten und Imker so gut auf Gäste und Ab-Hof-Käufer eingestellt wie ihre Kollegen in Österreich. Da bewirkt ein wenig „Protektion" durch die Benvenutis Wunder.
Ein weiterer Vorteil eines kulinarischen Kurztrips nach Triest liegt im Klima: Der Sommer dauert an der Adria generell länger, die Badesaison in der exklusiv den Hausgästen vorbehaltenen Beach Lounge in der geschützten Bucht des Hotels auf alle Fälle bis Ende September. Und sollte es wider Erwarten einmal doch nicht so schön sein, können die Gäste des Riviera in die Wellness-Oase des zweiten Hauses der Familie, des Grand Hotel Duchi d’Aosta im Zentrum Triests, ausweichen.
Hotel Riviera
Grand Hotel Duchi d`Aosta

Weinregion für Genießer. Der Karst über Triest, das heute zu Italien gehört, war bis vor nicht allzu langer Zeit praktisch nur Niemandsland an der Grenze zu Slowenien. Erst in den letzten Jahren ist er zur anspruchsvollen Weinregion herangereift. Auf den schwierig zu bewirtschaftenden kargen Böden wurde Wein bis dahin nur gekeltert, um in den Osmize genannten Buschenschenken kredenzt zu werden. „Erst vor 20 Jahren füllte Danilo Lupinc in Prepotto als erster Winzer seinen Wein in Flaschen“, erinnert sich Marino Vocci, einer der Gourmet-Pioniere der Region. „Bis dahin war im Juni kein Wein mehr da – er war ausgetrunken oder bereits Essig geworden.“
Die lokalen Winzer merkten bald, dass es eigener, autochthoner Sorten bedurfte, um einen guten Ruf der Region zu begründen – und ihn vor allem zu festigen. Vor allem die Vitovska-Traube, resistent gegen Bora wie sommerliche Trockenheit, ist wieder stark im Kommen.
Das, was junge ambitionierte Winzer dem Boden heute abtrotzen, bringt Feinschmecker zum Jubeln: Etwa die Brüder Vodopivec, die ihren Trauben zusätzliches Wasser verweigern und Vögel nicht verjagen, sondern – ganz im Gegenteil – in den Weingarten locken, damit sie dort die Schädlinge fressen. Auch wenn man ihrem Rat, ihren Vitovska bei Zimmertemperatur zu trinken, nicht folgt: Er, der mittlerweile Kult-Status genießt (und u.a. Starkoch Walter Eselböck für sein Restaurant „Taubenkobel“ beliefert) und viele weitere haben es geschafft, dem (noch) berühmteren Anbaugebiet des Collio erfolgreich Konkurrenz machen.

Käse für Kenner. Auch der Käse vom Karst kann sich schmecken lassen: Dario Zidarics Bauernhof im Karst ist nur einen Steinwurf von der slowenischen Grenze entfernt, und die 170 Kühe im Stall werden biologisch gefüttert. Zwei Mal in der Woche macht Dario Zidarich zusammen mit seiner Frau aus je 200 Litern Milch den Käse: Frischkäse mit den Blüten von wildem Fenchel, und Hartkäse. Aber nur zehn Laibe pro Monat. Zum Reifen werden sie händisch per Seil in die 70 Meter tiefe Grotte unter dem Stall hinuntergelassen und bleiben dort vier Monate lang.
Der Milchbauer Vidali aus Basovizza wiederum etwa erlangte Berühmtheit, weil sich die Frau des Staatspräsidenten regelmäßig ihren Stracchino, einen weichen, cremigen und leicht säuerlich-frischen Rohkäse aus Kuhmilch, von ihm schicken lässt. Er hält auch sonntags offen. Zum Käse harmonierend: der Felsenkirschen-Honig, für den Fausto Settimi aus dem benachbarten Trebiciano, der Imker mit dem Aussehen eines Alt-Rockers, gar das Prädikat „Italiens Bester“ verliehen bekam.

DIREKTBUCHER-ANGEBOT
HOTEL RIVIERA
Um 156 Euro p. P. im DZ bietet das Hotel Riviera im September, Oktober und November zweimal Ü/F im DZ mit Meerblick, Begrüßungsdrink, Spät-Check-Out am Abreisetag, wahlweise ein Mittagessen in einer typischen Trattoria im Karst oder ein Abendessen im Restaurant des Hotels, dem „Le Terrazze“, und Eintritt in das hoteleigene Strandbad bzw. das „Thermarium Magnum“, die Relax-Oase im Grand Hotel Duchi d’Aosta.
Info & Buchung: Hotel Riviera, I-34010 Trieste, Strada Costiera 22,
Tel. (+39040) 224-551, Fax (+39040) 224-300,
Mail: riviera@magesta.com,
Hotel Riviera

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